"Vergesst Prison break oder Orange is the new black…, Knast ist anders!" sind Hinweise der inhaftierten Straftäter.

28.01.2019 von Hendrik Hochfeld

Besuch der Auszubildenden der RFM1 im Ausbildungsberuf "Rechtsanwaltsfachangestellte" in der JVA Simonshöfchen am lausig kalten Morgen (-4 Grad C) des 22.01.2019

Erfreulicher 1. Eindruck: Es gibt ausreichende Parkmöglichkeiten. Kaum verwunderlich, da die über 500 unter dieser Adresse gemeldeten Personen in einem fensterlosen Gefangenentransportbus angereist wurden und daher keinen Parkplatz benötigen, weil sie einige Jahre ohne Schlüsselgewalt hinter vielen Türen ohne Klinke verbringen müssen und nur selten Besuch erhalten.

Unsere Schulpfarrerin, Frau Dr. Kuropka, unterrichtet in vielen Berufsschulklassen Religion und organisiert zusammen mit dem Gefängnisseelsorger, Herrn Richert, regelmäßig Schülerbesuche in der JVA. Herr Richert empfing uns an der Eingangspforte und führte uns durch lange menschenleere Gänge, die an Krankenhausflure erinnern. Mit dem Unterschied, dass mindestens 6 Türen vor uns auf- und hinter uns abgeschlossen wurden. Im Stuhlkreis in der Gefängniskapelle wurden wir auf die Situation in der JVA hingewiesen: Über 504 Haftplätze, 120 Arbeitsplätze für Häftlinge, Drogenabhängigkeitsquote ca. 80%, acht Gefangene werden uns in Kleingruppen von ihrem Leben im Knast erzählen. Aber bitte nicht fragen, warum sie hier sind.

Die erste Frage in meiner Kleingruppe: "Na, Ihr wollt doch bestimmt wissen, warum wir hier einsitzen"? Und dann erzählten sie. Hauptsächlich über die Haftbedingungen: Schlechte ärztliche Versorgung, herablassende Behandlung, Entzug und Verlust persönlicher Beziehungen. Ein absolut fremdbestimmtes Leben ohne Türklinke voller gähnender Langeweile und Frust.

Das Bild vom Straftäter, der staatliches "all inclusive" genießt, verschwand hier sehr schnell. Genauso schnell wie die Vorstellung vom reuigen Delinquenten, der sich auf dem Pfad der Resozialisierung intensiv mit sich, seiner Tat und seiner Zukunft auseinandersetzt. Stattdessen drängt sich der Gedanke auf, dass diese Menschen nicht eingesperrt sind, sondern ausgesperrt aus ihrem sozialen Leben, ausgesperrt aus unserer Gesellschaft. Ob das Absitzen von Lebenszeit in beschäftigungsarmer Isolation die richtige und einzige Antwort auf schwerwiegendes sozial abweichendes Verhalten sein muss, erscheint fraglich. "Es ist schön, Deine Stimme zu hören und ich bin Dir sehr dankbar, dass Du für mich da bist!" war das erste, was ich außerhalb der JVA sagte, als ich die Gelegenheit wahrnahm, um meine Liebste anzurufen. Freiheit wird unterschätzt…